The Halo Trees – Antennas to the Sky

Winter Solitude
Berlin 2019

TheHaloTreesCover„Time And Tide Wait For No Man“, die erste EP des Berliner Outfits blieb im Vorjahr unter meinem Radar, doch das Debüt-Album „Antennas to the Sky“ erreichte und berührte mich. Vielleicht, weil ich zuerst dachte, Matt Berninger zu hören, dessen Bariton mir schon seit Jahren vertraut ist. Man könne sogar glauben, Sascha Blach, Songwriter und Kopf des Quartetts, versuche sich in einer Imitation des Stils von The National, die er selbst neben Nick Cave und anderen  als Vorbild bezeichnet.

Wie auch immer, bewusst oder unbewusst, die Parallelen sind nun einmal gegeben und die Musik der in den Himmel gerichteten Antennen wird dann interessant, wenn sie eigene Signale zurück sendet.

Unterstützt wird der Bandleader dabei mit der Stimme von Kathrin Bierhalter, die auch Gitarre und Violine einbringt, Serdar Uludag am Bass und Stefan Helwig am Schlagzeug.

Das Artwork der CD (auch als LP und Download zu haben) entspricht der Musik, die meist monoton und dunkel ist, melancholisch wie Berlin und das Ergebnis von drei Jahren im (eigenen) Tonstudio darstellt.

Band Website: The Halo Trees

Badhoven – All the World’s a Fake

ATS Records
Molln 2019

Badhoven-Cover

Badhoven machen seit über 20 Jahren soliden (Retro-)Rock mit englischen Lyrics, haben in Graz eine kleine aber feine Fangemeinde aus Heavymetalrockfans in meinem Alter, aber sind international kaum bekannt. Rammstein machen seit über 20 Jahren soliden deutschsprachigen (Industrial-)Rock, haben weltweit Millionen meist jugendlicher Fans und bespielen die großen Bühnen der Welt vom Madison Square Garden in New York bis zum Big Day Out in Australien (wo ich sie 2008 live erlebt habe). Ein unfairer Vergleich?

Badhoven haben zu ihren Hits low-budget Videos gemacht, die nett sind aber niemand vom Hocker reissen, Rammstein haben provokante Minifilme in Hollywood Qualität zu ihren Liedern gedreht, von Computer generierten Bildern in Dante’s Inferno über einen Dicke verarschenden Auftritt in Fettanzügen bis zu „Deutschland“, in dem überhaupt alle Klischees der Deutschen Nation überspitzt werden, und schließlich zu einer Afrika-Reise im jüngsten Clip „Ausländer“. Wieder ein unfaier Vergleich?

Badhovens Lead Singer Kurt Christian ist ein höflicher, gut aussehender Mann mit einer großartigen Rockröhre, der keinen Wert auf eine schrille Lightshow legt. Rammsteins Till Lindemann macht auf häßlich und inszeniert sich auf der Bühne mit brachialer Gewalt und viel Feuer und Flamme in einer einzigartigen Show, von der man noch lange spricht. Dabei hat er eigentlich keine gute Singstimme, sondern einen tiefen, mit dem „R“ rollenden Sprechgesang.

Der geneigte Leser weiß mittlerweile, worauf ich hinaus will. Badhoven sind brave Jungs – davon zeugt allein schon eine ganze Seite Danksagungen, Rammstein böse Kerle – die aber dafür die große Kohle machen.

Soweit die etwas ausschweifende Einführung zum Melodic Hardrock der fünf Grazer, mit denen mich eine Freundschaft verbindet, seit wir zusammen zwei Nummern für die „Parkinsong Duets“ aufgenommen haben, die auch auf ihrem neuen Album als Bonustracks zu finden sind.

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Mario Pohn, Gerd Sojka, Kurt Christian, Gerald Ganglbauer, Flo Verant und Gerhard Paar

Ich bin mit Rockmusik aufgewachsen, also mit Krautrock, Psychodelic Rock, Symphonic Rock, lange bevor aus dem Headbanging „Tanzmetall“ (Eigenbezeichnung Rammsteins) wurde. Mir bedeuten diese Schubladen eigentlich nichts, denn meine Kriterien sind viel einfacher: Entweder drehe ich auf – oder ab. Und Badhoven spiele ich laut. Womit alles gesagt ist, denn für Details wie die coolen Gitarrensoli von Mario Pohn oder die Drumstick-Akrobatik des Schlagzeugers Gerd Sojka bin ich zu befangen.

„All the World’s a Fake“ (der Titel ist inspiriert von der steigenden Zahl von Fake News) ist definitiv ein hörenswerter Stream oder Download für Rockfans. Auch zu haben als CD im 6-seitigen DigiPak mit der Grafik von Andy Gangl.

Bandseite: badhoven.com

Nature – Walk the Edge

FabSoud Records
Wien 2019

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nature (kleinschreibung) ist eine ganz junge Band aus Wien, die ich noch nie gehört, gesehen, geschweige denn gekannt habe – und dennoch versuche ich mich an einem kleinen Hinweis, weil mir deren Debüt Single „Walk the Edge“ gefällt.

Österreich ist in der Tat begnadet mit grossen Söhnen (und Töchtern, selbstverständlich) und diese jungen Herren Michael Burger (Vox), Andy Liu (Git), Rich Messner (Bass), und Mathias Holzner (Drums) zählen mit ihrem Erstling schon jetzt zu jener Kategorie.

Der Pressetext spricht von „Rock Pop vom Feinsten, der unter die Haut geht“, jedoch müssen die Newcomer am 8. Mai  im WUK (Wien) mit einem Konzert erstmal den Beweis antreten, dass das weit auch weit über die 04:17 des ersten Songs hinausgeht. Danach kann der Download losgehen.

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Photography by Ben Leitner

The National – I Am Easy To Find

4AD records
London 2019

cover_1556542642968889Wenn man eine Band sehr mag, den sanften Bariton des Leadsingers Matt Berninger sofort erkennt, so manche Lyrics mitbrummt und den typischen schrägen Bam-bam-beat des Schlagzeugers Bryan Devendorf mitklopft, tut man sich schwer, ein neues Album ganz objektiv zu besprechen. Um es vorweg zu nehmen, beim ersten Anhören hat es mich sogar irritiert. Das stark auf die Stereokanäle links/rechts akzentuierte düdel-di-düdel-di-duit des Openers „You Had Your Soul With You“ (auch als Single-Auskoppelung) macht mich echt nervös.

Aber zunächst sei die weitere Besetzung des Familienbetriebes erwähnt, obwohl das für Kenner der Band hieße, Eulen nach Athen zu tragen. Bryans  Bruder Scott Devendorf bedient den Bass und die Brüder Aaron und Bryce Dessner so ziemlich alle anderen Instrumente. Die beiden notieren auch die Kompositionen, die Texte und Melodien stammen aus der Feder von Matt Berninger, Carin Besser und Mike Mills.

Ich stelle mir vor, dass es vom „Trouble Will Find Me“ Album über „Sleep Well Beast“ bis zum vorliegenden „I Am Easy To Find“ nicht schwergefallen war, die Brotkrumen aufzuheben. Das achte Album klingt anfangs eben wie ein Mix bekannter Soundmodule, bis zur Überraschung:

Duette!

Jede Menge davon und in verschiedenster Besetzung bis hin zum Brooklyn Youth Chorus. Allen voran „Oblivions“ mit der Stimme von Mina Tindle, „The Pull Of You“, mit Lisa Hannigan und Sharon Van Etten, „Hey Rosey“, mit Gail Ann Dorsey (die auch auf anderen Tracks gefeatured wird) und einer Vielzahl  fremder Gesänge. „I Am Not in Kansas“ ist eine sehr schöne Verknüpfung mit „Noble Experiment“ in dem gleich drei Stimmen zugezogen werden, nämlich Gail, Lisa und Kate, das einzige nicht aus der Feder der Band. „So Far So Fast“ ist alles andere als fast. Langsame, ruhige Tunes dominieren das Album, wie der Soundtrack zum Film mit Alicia Vikander, die auch das Covermodel ist. Im Titelsong wird von Matt von Kate Stables begleitet. Die Liste der Begleitmusiker ist zu lange um sie alle hier zu zitieren.

Es wundert mich nun nicht mehr, dass Matt nicht auf meine Einladung zu „Parkinsong Duets“ eingegangen ist. Ein bissl geärgert hat es mich zwar, aber die vielseitigen Kollaborationen in diesem Album entschädigen dafür. Mit zwanzig Jahren Bandgeschichte sind „The National“ sicherlich schon in einer höheren League.

Bandseite: American Mary

Paul Plut – Lieder vom Tanzen und Sterben

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Im Vorfeld hatte es beinahe den Anschein, dass ich zu alt werde, um über Livekonzerte zu berichten. Auch Paul, den ich seit seinen frühen Schreien mit VIECH in der Papierfabrik kenne und schätze, schien vor dem Konzert reserviert. Er hatte meine Nachricht nicht gelesen, dass ich ihn treffen wollte, daher war ich für den Konzertbeginn viel zu früh dort. Zu allem Überdruss oder vielleicht in Wechselwirkung mit der körperlichen Anstrengung, die eine abendliche Fahrt ohne Begleitung in die Stadt samt nächtlicher Heimreise zum Ursprung erzeugte, war ich gerade kraftlos im OFF. Scheiss Parkinson.

Aber Kraft brauchte es nicht, um mit allen Sinnen den zarten Passagen von Paul Pluts „Liedern vom Tanzen und Sterben“ zu folgen. In den Aussparungen zwischen den rauh geflüsterten Worten und manch schrägen Tönen des Verzerrers seiner Gitarre hat er „in Teifi gsehn im Tram“ und reflektiert suizide Gedanken. Darüber hätte ich ihm noch gerne ein paar Fragen gestellt. „Wir san nur Fleisch/ Wir san sunst nix/ Oba damit nit aloa“ singt er an anderer Stelle und meint, dann nur in die Hände klatschen zu müssen um Obersteirisch zu statuieren: „Wir hobn koa Ongst“.

Obwohl manchmal Erinnerungen an Neil Young in „Dead Man“ (1995) evoziiert werden, ist das nicht die (Film-)musik eines Untoten, sondern die eines jungen Mannes, der keine Angst mehr vor dem Teufel hat. Bei Texten wie „Heiliger Vota, valoss mi jetz nit“ sich aufdrängenden „Gretchenfragen“ wie: „Bist du gläubig?“ nimmt er die Antwort schon in der Überleitung mit einem „Nein!“ vorweg. Und nach dem Konzert ist er wieder ganz das freundliche „Landei“ wie er sich sellbst bezeichnet, steht hinter der Merch(andise) und signiert eifrig CDs und (jetzt neu) auch Schallplatten.

Obwohl die „Lieder vom Tanzen und Sterben“ für mich eine Neuerscheinung sind, war Paul Plut in verschiedenen Besetzungen mit dem Programm schon seit 2016 zwischen Südtirol und Norddeutschland unterwegs. Der deutsche Sprachraum ist eben nicht größer. Dabei würde ich gern ein zweisprachiges Duett mit ihm aufnehmen. Schließlich ist er mit „VIECH“ schon auf all meinen Buchtrailers. Als CD ist das Album übrigens schon 2017 erschienen, als LP  gerade erst bei dem jungen Hamburger Label Chateau aero.

Zum Abschluss eine Hör- und Sehprobe vom Konzert: Ein Ausschnitt aus „Grat“. Kudos an Torsten Schmid für die sensible Lightshow.

Alles weitere: paulplut.com

Berndt Luef & Jazztett Forum Graz – Perseverance

Jazz-Forum-Graz---Perseverance

Die CD kam mit der Post und einem persönlichem Begleitschreiben „mit swingenden Grüßen“ wobei ich überzeugt bin, dass Berndt Luef kein Swinger ist. Zumindest nicht im Sinne von Menschen mit einem bestimmten promiskuitiven Sexualverhalten, sondern nur mit seinem Vibraphon und den acht Mannen seines Jazztett Forum Graz, das heuer bereits auf 25 swingende Jahre zurückblickt.

Diese Ausdauer würdigt der beharrliche Musiker mit einem Album, das auf sechs Seiten die zumeist vom Haus- und Hof-Jazz-Fotografen Peter Purgar fotografierten  Herren abbildet und zweisprachig die Entstehung der Kompositionen erläutert. Das ist bei Luef wichtig, da man ohne Lyrics die Absichten und den Hintergrund  der Kompositionen nicht mit Erinnerungen an seine Studienzeit oder Wanderungen entlang der Feistritztalbahn zu verknüpfen vermag.

Das Album wird am 3. Mai in der Blue Garage (Frauental) und am 12. Mai im Grazer Forum Stadtpark präsentiert.

High Brian – Brian Air

StoneFree Records
Graz 2019

Brian.AirPaul Berghold, der Drummer der Band, begrüßt mich backstage im p.p.c. wie einen alten Bekannten. Der Grazer ist nicht nur für das Schlagzeug zuständig, sondern auch für das Meet ’n‘ Greet aller Gäste der Album Release Show. Ganz im Stil einer Airline folgt die junge Band den Vorgaben ihres Konzeptalbums „Brian Air“, dem Nachfolger des Debüts vor zwei Jahren. Ich muss zugeben, dass ich High Brian bis dato nicht geortet hatte, freue mich aber, dass sich das nun wie im Flug geändert hat.

Paul hatte die Bandmitglieder – Benedikt Brands, Gitarrist, Sänger und Komponist aus Hamburg, Nils Meyer-Kahlen, Lead Gitarrist mit Heimatstadt Stockholm und Patrick Windischbauer, Bassist aus Linz,  jeder von ihnen ist Brian – während des Toningenieur-Studiums an der TU-Graz kennen gelernt. Sie spielten einige Jahre in einem Proberaum im Keller der Papierfabrik (wo mir auch schon Saint Chameleon, Downlovers und VIECH über den Weg gelaufen sind) dann machten die Vier, die sich den Beatles und Beethoven (Ludwig van, nicht Badhoven) verwandt fühlen, “Hi Brain” (2017) und klingen darauf wie Wolfmother, meine Landsleute aus Down Under. Ich habe dieses Album nicht gehört um den Vergleich bestätigen zu können.

Doch zurück zum Abflughafen: “Brian Air – not the safer, but the higher way to fly”, behauptet die Plattenfirma und ich will dem Zitat gerne glauben, in Bezug auf die jüngsten Flugzeugabstürze. Musikalisch etwas mehr “psychedelic Rock” (im Sinne des Sergeant-Pepper-Albums) wird auch behauptet, läßt sich aber schwer nachprüfen, da der Gesang im Live-Konzert kaum zu verstehen ist und den Tonträgern LP und CD in limitierter Auflage kein Booklet mit den Texten beiliegt.

Ich muss mir nach dem Live-Erleben erst noch die Studioversion ein paarmal anhören. Mich haben sie zeitweise an Wishbone Ash erinnert, aber das ist lange, sehr lange her. Nett fand ich zwischen den acht Songs die gelegentlichen Ansagen des Flugkapitäns und erwähnenswert auch das Set mit den Konturen eines Jets aus programmierten Lichtbändern.

Aber das Geilste wäre ein Rooftop Konzert. Nicht nur eines wie es viele Bands von den Beatles bis zu The Base schon gespielt haben, sondern als Brian Air Crew vor der Boeing 727 am Dach des Novapark Hotels.

Die Band legt übrigens Wert auf den Umstand, dass sie mit diesem Album kommerzielle Luftfahrt nicht unterstützt. Folglich müssten sie für eine USA Tournee in zwei Jahren auf der “HMS Brian” über den Atlantik. Schiff ahoi!

Matthias Forenbacher – Le Monde Diplomatique

pumpkin records
Wies 2018

Forenbacher_Le_MondeDie Welt Matthias Forenbachers ist dunkel, das Album schwarz/weiß, aber damit täuscht der hochgewachsene Kerl mit der atemlosen Stimme, die im Norden Amerikas mit den Bisons zuhause ist und an Bruce Springsteen erinnert. In seinen Lyrics ist viel Farbe. Italien, farbige Eiscreme, nackt badende Männer, zusehende Mädchen, Diplomaten … Er ist ein Storyteller der alten Schule.

Bei seiner CD Präsentation in der Kunsthalle Graz wurde er spontan von Freunden unterstützt: Stefan Kollmann am Akkordeon und Jacques Bush mit Gitarre, Percussion und seiner einzigartigen Stimme, sowie dem genialen Wortschmied Johannes Silberschneider. Das Publikum verzieh diplomatisch so manch verzerrten oder falschen Ton, denn life is live oder eben auch anders herum. Die zwölf Tunes auf dem Album sind ohnedies sehr ordentlich von Forenbacher und seinem Ausssenministerium produziert. (Un)diplomatisch gesagt: ein gut hörbares Album. Immerhin hat er uns seit „Life Vest“ (2009) beinahe zehn Jahre darauf warten lassen.

Hier noch ein paar Bilder von der CD Release am 30.11.2018 in der Kunsthalle Graz.

Stattegg-Ursprung, am 1. Dezember 2018

Achim Kirchmair Trio – Going to Ladakh

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Gießen 2018

In 10 Kompositionen bzw. genau 60 Minuten nimmt das ungewöhnliche Trio Achim Kirchmair (Gitarre), Ali Angerer (Tuba) und Andjelko Stupar (Drums) die Zuhörer mit auf die Reise nach Indien, weit ins nördliche Jammu and Kashmir, nach Ladakh.

Ich mag Konzeptalben, die eine Geschichte erzählen, oder zusammenhängende Stücke, wie die jener Indienreise. Dabei wäre etwas ganz anderes daraus entstanden, hätte der Bandleader nicht seine Bergschuhe daheim vergessen.

In Indien gehen die Uhren anders, Zeit spielt keine Rolle, erst kommt das Leben, und das spiegelt sich in seinen ruhigen Kompositionen, obwohl er auch die Sau raus lassen kann, was seine in der ersten Reihe des Konzerts im WIST sitzenden Kinder überzeugt haben muss, dass ihr Papa ein Rockstar ist.

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Achim Kirchmair Trio live im WIST, Graz

Kudos an Berndt Luef, der mit der bereits zwölften “Herbstzeitlose”, seinem jährlichen Musikfestival im WIST,  immer wieder guten Jazz nach Graz bringt.

The Tiptoes – Distance

tiptoes-distanceDie CD Release Show im Orpheum Extra war ein Erfolg. Das Trio I Love Milk wärmte auf, und nach der Umbaupause eröffneten Miriam Bichler und Fabio Schurischuster den Mainact hinter dem Publikum, bis Bernhard Wimmer mit wuchtigem Drumsolo die Aufmerksamkeit nach vorne lenkte.  Gemeinsam mit Albrecht Klinger und Burghart Frauenlob rockte die Band gute zwei Stunden, holte sich zwei Gäste auf die Bühne und gab noch zwei Draufgaben. Barbara Belic postete um 23:47 auf Facebook: “Man sah nachher im Publikum nur glückliche Gesichter”. Soweit zum Konzert.

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Nun zur CD, die Knallgelb-Orange vor mir am Schreibtisch liegt und auf der ich fast nichts entziffern kann außer fünf Unterschriften in schwarzem Marker.  Die Bandmitglieder haben nach dem Konzert jede CD beflissentlich signiert. Das war auch eine Gelegenheit, ein paar freundliche Worte mit der 24-jährigen Salzburgerin zu wechseln. Danach ging man glücklich nach Hause. Doch halt! Das war – gemäß dem Genre, das sich die Band zuordnet – ein Popkonzert. Da summt, pfeift oder singt doch jeder einen Hit am Heimweg. Von diesem Abend blieb keine Note im Kopf und ich glaube zu wissen, warum. The Tiptoes machen keine Popsongs, die machen Lieder zum Zuhören!

Eben habe ich meine Besprechung der Debüt-EP vom Mai 2015 wieder gelesen und wollte sie inhaltlich fast wiederholen, bis ich zur Erkenntnis gelangt bin, dass sich die Band im falschen Licht präsentiert. Das poppige Artwork sollte dem eines Singer-Songwriter weichen. Hier zählen (hör- und lesbare) Worte, nicht (sing- oder pfeifbare) Melodien. Liesse man sich etwa in einem Restaurant instrumental  berieseln, würde man die Musik der Tiptoes als angenehm aber nicht einprägsam einstufen. Obwohl ich aufhorchte als sich „She Says“ anfangs wie „Riders on the Storm“ von den Doors anhörte. Apropos Doors: Die Altvorderen hatten es wesentlich leichter, sich musikalisch einzuordnen. Damals gabs nur Rockmusik oder Radio Steiermark.

Anyway. Es hat mich gefreut, „Hide and Seek“ auch auf dem neuen Album wieder zu finden, das ist ein genialer Song, dessen Lyrics mir im Gedächtnis geblieben sind. Aber auch die anderen neuen Lieder leben von den Texten, in denen es meist um zerbrochene Beziehungen geht. Na ja, warum sollte es nicht wie im richtigen Leben sein.

Im Titelsong heisst es  etwa ... distance makes you run even further/ and I’m running after you/ distance makes you look for someone better/ though I’m the best for you/ OK. An Selbstbewußtsein mangelt es den jungen Textern jedenfalls nicht. Aber ob sie als Band durchstarten werden?

Erst ein drittes Album wird restlos überzeugen.