Café Drechsler – And Now…Boogie!

Universal Music
Vienna 2017

Es war während des Jazzfestivals Leibnitz. Mit dem Schlagzeuger Alex Deutsch sass ich zufällig eines frühen Morgens beim Frühstück am selben Tisch. Neben einer Facebook-Freundschaft ergab das daraus folgende Gespräch großes Interesse an dem neuen Album, das nach zehn Jahren schöpferischer Pause im Trio mit Oliver Steger (Bass) und Ulrich Drechsler (Saxophon) entstanden war: And Now…Boogie! und ich versprach, mir die CD gleich anzuhören und sie zu besprechen.

Das liegt nun schon gut ein halbes Jahr zurück, aber mein Versprechen wird immer gehalten und nun sollen Worte beschreiben, was ich mit großem Genuss in Leibnitz live erleben durfte. Vorweg die Geschichte, wie es zum Namen  des Trios kam – das Café Drechsler ist tatsächlich ein Wiener Kaffeehaus, jedoch nicht mit dem Saxophonisten gleichen Namens verwandt – aber das kann die Band auch selbst erzählen.

Ich war müde, es war wohl schon fast Mitternacht, aber dennoch wollte ich das Konzert im Marenzikeller nicht verpassen.  Und siehe da, die Müdigkeit wurde von der Musik weggeblasen, die Beine tanzten unentwegt und von irgendwoher flutete Dopamin in mein Hirn. Ich war gut gelaunt, tanzte in vorderster Reihe und ließ mich vom Tempo der drei Profis mitreissen. Ein akustisches Trio, auch wenn es in iTunes unter „Electronica“ gehandelt wird, habe ich noch nie so schnell spielen gehört. Bass und Schlagzeug bauen den Highway, auf dem das Tenorsaxophon fährt. Und wenn ich die Augen zumachte habe ich mich in einem offenen Mustang über diese Autobahn fahren sehen und mit jedem neuen Tune wechselt die vorbeiziehende Landschaft. Vielleicht sollte die CD eine Warnung tragen, nicht im Auto gespielt zu werden, wenn man Speeding Tickets vermeiden will. Genial. Dabei sind auch zwei Tunes mit Text drauf, auf Samptpfoten rezitiert Yasmo „Mir geht’s gut“ über Befindlichkeiten („Ich reich die Hand um zu zeigen, dass sie keine Waffe trägt“) am Tune „On Velvet Paws“ und ein RAP von FlowinImmO auf „Fake News“, der ins Politische geht und mit der rhetorischen Frage endet, „worüber lohnt es sich zu sprechen“.

Alex Deutsch habe ich in der GMD auch wieder gesehen, am Schagzeug für Harri Stojka. Wow, der Mann ist so energiegeladen, dass er sogar noch die Ladegeräte im Publikum betreiben könnte. Musik ist eben auch ein Energy Drink. Oder noch besser: Grundnahrungsmittel! Jedenfalls kein Boogie.

 

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