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Natalie Ofenböck & Der Nino aus Wien – Das grüne Album, Wiener Reise durch die Steiermark

Charlie Bader
Wien 2016

Die Vorgeschichte: Der Nino aus Wien war mir vage bekannt und ohne ihn jemals gehört zu haben stellte ich ihn mir wie eine Fusion aus Extremschrammeln mit Voodoo Jürgens oder Attwenger und Haindling vor. Als er dann mit Natalie Ofenböck im Programm des steirischen herbst auftauchte, wollte ich ihn mir anhören. Am 1. Oktober überließ ich meinen Gästen von einer Gartengrillerei am Nachmittag das Haus für den Abend und fuhr in die Stadt, wo er als mein zweiter Programmpunkt nach dem Dom im Berg im Orpheum auftreten würde. Das alles zog sich in die Nacht hinein, ich konnte die Augen kaum noch offenhalten, so dass ich nicht mehr warten wollte und meine Karte einem überraschten jungen Mann schenkte, der für seine Freundin noch eine Karte für das ausverkaufte Konzert erwerben wollte. Ich schlief bei einer Bekannten und ließ meine Gäste bis weit über Mitternacht ohne mich feiern. Der Nino aus Wien blieb mir also unbekannt.

Das grüne Album: Vier Wochen später hatte ich das Album, eigentlich ein Gedichtband mit beiliegender CD, zur Besprechung in Händen. Nun, die Gefühle wechselten ganz extrem. Das Buch hat 80 Seiten und ist schön gestaltet, schließlich ist Natalie Ofenböck Grafikerin, die auch schon seine früheren Alben entworfen hat. Nino Mandl ist ein Wienerlieder Sänger, der auch die meisten Texte beigesteuert hat und beide sind noch keine 30 und verkaufen sich aus der „Alternative Music“ Schublade. Und diese beiden Wiener begeben sich auf die weite Reise in die Steiermark, vom steirischen herbst beauftragt, und nehmen 15 Lieder in Graz auf, die einen weiten stilistischen Bogen spannen und nach meinem Ermessen weit weg von der Avantgarde liegen, die dem steirischen herbst einmal zu eigen war.

Ich schüttle den Kopf und frage mich, ob die ihr Publikum verarschen wollen mit dieser Sammlung von an Kinderlieder erinnernden Zweigesängen und gerade noch brauchbarer Hausmusik. Ofenböck singt begeistert falsch und Mandl raunzt und da kommen Sauflieder wie „Mischung“ und ich verkneife mir abzudrehen, dann folgt neue Volksmusik in „Auf nach Graz“, Rock in „Vulkanland“ und Pop in „Der Bürgermeister“, dann wieder 70er-Jahre Gitarrensound in „Grenzmoor“… einfach Kraut und Ruabn auf guat Steirisch. Vielleicht verkauft sich das in Wien als Kulturgut aus der Provinz, viele Steirer werden sich mit dem grünen Album wohl kaum identifizieren. Abgesehen davon kann ich mir nicht erklären, wieso und warum ausgerechnet der steirische herbst Herausgeber dieses Albums war?


Natalie Ofenböck & Der Nino aus Wien im Orpheum | Video © raiRau7 2016