Album Release
Bazaar ist das persische Wort für Markt. Wie das deutsche Wort bezeichnet Basar sowohl die Zusammenführung von Angebot und Nachfrage als auch den Handelsplatz, der hinsichtlich seiner Gestaltung, Lokalisierung und Funktion spezifische Charakteristika hat. Wenn man in das neue Album von The Base hineinhört, muss man sich das vor Augen halten, obwohl die Lyrics sich nicht oder kaum darauf beziehen. Aber what the f . . . ist ein versteckter VJ? (Hab mich schlau gemacht: ein Video Jockey)
Ein Kennzeichen orientalischer Basare ist die Aneinanderreihung von Geschäften, die Waren derselben Kategorie (in unserem Fall Disco) verkaufen. Das machen sie gut. Einen Großteil der Waren meint man schon einmal irgendwo gesehen (gehört) zu haben. In der Tat sind die Strickmuster, wie sich die einzigartige Stimme von Norbert Wally einsetzen läßt, begrenzt. Nun, ich hatte mir nicht erwartet, lauter „neue“ Töne auf diesem Disco-Marktplatz zu bekommen. Schließlich ist es die bereits zwölfte Scheibe des 1996 debütierenden Grazer Trios. Man bietet an, was man daheim hat.
Mit etwas Feilschen erhält man aber tatsächlich auch hier neue Stückerln unter den Plagiaten eigener Werke. Simoom ist so eine erfreuliche Ausnahme, ganz hinten am Regal zu finden. Norbert Wally rezitiert den Text, statt ihn zu singen, während Albrecht Klinger am Bass und Karlheinz Miklin jr. am Schlagwerk in gewohnt ausgereifter Musikalität die poetischen Worte vor sich her drängen. Groovy, Baby.
You Put Sugar in My Soul ist ein Mantra, wie man ihn auch schon von vorigen Alben kennt, die schier endlosen Wiederholungen versetzen den Hörer entweder in Trance, oder lassen ihn eine Palme hochklettern. Ähnlich geht es mir mit einem Dutzend I/You/We Connected. und den erhobenen Händen in Eight Cops. Dass dem Songwriter kein weiterer Text eingefallen sei, oder er nur den Song verlängern wolle, will ich damit nicht unterstellen. Ich habe schon bei der Release von Where Is my Weather (2015) auf diesen Ballast hingewiesen, offenbar erfolglos. Tja, man muss auch noch so konstruktiver Kritik nicht gleich Folge leisten.
Pile Your Shishas ist ein angenehmes Lullaby. Die orientalische Wasserpfeife stellt endlich auch einen Kontext zum Basar her. The Base sollte einen Wettbewerb machen, welche Originalvorlagen die Disco Bazaar Tunes evoziieren, Menschen, die die Band noch nie gehört haben, werden Ride After Dawn mögen, Fans (dazu zähle ich mich) werden ein Déjà-vu erleben. Just Another Sky ist ein typischer Waltz, ganz in der Tradition der Gruppe, mit leisen Ethno-Einflüssen. Aber egal ob recycled oder neu, die Musik von der Basis ist immer gut tanzbar, und die Refreins bleiben tagelang im Kopf stecken, wie im Opener Feed Your Dinobaby. Am Ende weiß man nicht mehr, ob man einen neuen oder alten Tune hört, den der Shuffler aus den zwölf Alben von The Base gerade spielt. Sie sind einfach alle gut.
Bei ihren Dreikönigskonzerten im Scherbenkeller werden wieder zahlreiche Groupies die Lyrics mitsingen. Bleibt zu hoffen, dass niemand dabei sein Happy verliert.
Präsentiert wird das Album in Graz am 30. September 2017 im p.p.c. Vorverkaufskarten sind bereits online.
Band Website – www.the-base.at


Wer in der Popmusik überleben will, muss drei Kriterien erfüllen.



Am Freitag, 12. Mai 2017 ist es im Dom im Berg soweit. Eine neue Band betritt mit einem CD Release Konzert die Bühne: Leo’n Sky. In Wahrheit ist dieses Sextett den Grazern gar nicht neu, sondern nur der neue Name des jedermann bekannten Outfits von Leo Kysèla, einem Urgestein der Grazer Soulszene, das er gemeinsam mit Joerg Veselka (Gesang und Gitarre) und seinen Freunden Jasmin Holzmann Kiefer (Gesang), Louis Kiefer (Bass und Gitarre), und den Streichern Giorgio und Chris Hammer (Viola und Violine) nun als Gruppe benennt. „Leo im Himmel“.

Es war einem jener glücklichen Einfälle zu verdanken, dass ich die Bekanntschaft mit The Ghost and the Machine machte. Letzten Donnerstag Abend – ich war mit meiner Gang Kegeln gewesen und machte danach einen längeren Zwischenstopp bei IKEA (geöffnet bis 21 Uhr) – wartete ich an einer Kreuzung, als ich spontan die Eingebung hatte, noch bei der Postgarage vorbeizuschauen. Ich zwängte meinen BMW aus der linken Spur, nahm die Abkürzung quer über den Grünstreifen und parkte wenige Minuten später vor dem Venue. Obwohl das Lokal dunkel und verlassen aussah, war ein Doppelkonzert im Gange. Beide Bands (die andere war Town of Saints aus Holland) waren mir nicht bekannt, aber ein gemütliches Sofa direkt vor der Bühne war frei, denn es waren überraschend wenig Zuhörer da, also ließ ich mich hineinfallen und hörte mich ein.

Nick Cave und ich haben einiges gemeinsam: Wir sind gleich alt, lebten beide in Australien und lieben Musik und Literatur und das Internet. Ich habe ihn zwar nur einmal in Wien getroffen, aber ich weiß, dass wir beide auch die dunkle Seite der Welt kennen, wenn wir um einen geliebten Menschen trauern und das öffentlich tun. Ich in Büchern, er mit einem Album wie Skeleton Tree, Trauerarbeit für den Verlust seines Sohnes. Am 14. Juli 2015 verunglückte Arthur Cave tödlich, der 15-Jährige stürzte an Englands Südküste von einer Klippe.
Ich hatte plötzlich Lust auf Pop. Nein, ich werde mein Radio nicht auf Ö3 zurück drehen. Nicht einmal im Auto. Aber ich bin neugierig, was den Erfolg von Popmusik ausmacht und höre einmal genauer hinein. Nach dem Erfolgsalbum „Zaba“ ist nun das zweite Album der englischen Indie-Rockband Glass Animals erschienen. Glass Animals sind eine Band, die im großen, vielfach als eintönig abgetanen Indie-Pop-Kosmos einen ganz eigenen „abgedrehten“ Sound kreiert hat, hört man. Ich kannte sie nicht, aber irgendwie habe ich dabei an Stevie Wonders „The Secret Life of Plants“ (1979) denken müssen, wie es sich heute vielleicht angehört hätte.
