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Candlelight Ficus – Parmigiano Love

KunstRäume Records
Graz 2018

sficusNormalerweise stünde immmer ein Ficus – für die Nicht-Grünen eine Birkenfeige (Ficus benjamina) – auf der Bühne, aber die bislang verwendete Topfplanze sei ihm eingegangen, erklärt  Niki Waltersdorfer das Fehlen des Band-Maskottchens. Wenn er allerdings um 8 Euro eine CD verkaufen würde, betont er, könne man sich bei IKEA eine neue Ficus holen. Indiebands müssen wohl unterschwellig Eigenwerbung betreiben.  Aber das macht nichts, da es mich geradewegs zu dieser CD bringt, die übrigens eine Debüt-EP mit fünf Songs ist, was die 8 Euro ausreichend erklärt.

Ich hatte noch nie von dieser Band gehört, sie seien gerade am Beginn einer steilen Karriere, war aus dem Publikum zu erfahren. Live war das junge Outfit aus Graz in drei-Mann-Besetzung im Megaphon-Café zu hören. Interessant,  was in erster Linie der hohen Kopfstimme des Lead-Gitarristen zuzurechnen war aber auch den gut arrangierten Kompositionen, die allesamt aus der Feder von Niki Waltersdorfer kommen, einem schlacksigen jungen Mann, der gerade  seinen Zivildienst abgeschlossen hat.


Simon Brugner ist der Schlagzeuger,  Fridolin Krenn der souveräne Bass und Tobi Wohofsky der vierte Mann an weiteren Gitarren des Unternehmens. Gemeinsam produzieren die sangeslustigen Jungs ein Geflecht aus funkigem Wah-Wah mit dem Tremolo der Gitarre,  woraus ein fröhlicher Tune wie „Ho Mogo Ma“ entstehen kann. Es darf aber auch einmal mit „Connection“ ein langsamer English Waltz werden, der sich gut eignet, mit „Baby are you free tonight“ und weiteren Anleitungen einen Aufriss zu machen. Hat sich nichts geändert seit damals, nur aus den Briefmarken ist eine CD-Sammlung geworden. Die sollte „Parmigiano Love“ enthalten.

The Tiptoes – The Tiptoes

electricAudio Recording Studios
Graz 2014

Eines Abends lief ich Albrecht Klinger (Bass bei The Base) in der Postgarage über den Weg und er erzählte mir von einer zweiten Band, bei der er mitspiele, und dass sie in zwei Tagen hier auftreten würden: Das machte mich neugierig und so kam ich wieder, um mir The Tiptoes anzuhören.

Die Sängerin der Band kam mir von irgendwoher bekannt vor. Dabei brauchte ich nur 1 + 1 zusammen zu zählen: Ich hatte sie unlängst auf der Bühne mit The Base gesehen, wo sie Norbert Wally ihre klare Stimme für „Easy When the Sun Goes Down“ und „I Bet It Rains“ geborgt hatte. Soweit der Kontext.

Der Auftritt in der Postgarage zählte zu den angenehmen Erlebnissen, auch wenn ihm in irgendeiner Weise das unverwechselbar Einzigartige noch fehlte. Das nur dieser Band Ureigene vermisste ich; und wenngleich alles ordentlich gespielt war blieb als Gesamteindruck dennoch middle of the road. Aber es könnte noch werden. Von den fünf Stücken auf der Debüt-EP haben immerhin zwei diese Qualität. Miriam Bichler textet selbst und die Lyrics von „Hide & Seek“ und „Wake Up“ sind so gut gelungen, wie die Musik von Fabio Schurischuster.

Die EP definiert die Band noch etwas unscharf, viele Elemente erinnern an Pop. Die Stimme in „Toxic“ und „Step By Step“ ist jazzig und die kleine Frau weiß, wie sie die Töne anschleift und mit hochgezogener Nase raunzt, während sie in „Hide & Seek“ unprätentiös klingt wie Julia Stone: And I watched how the years flew by/ And we met after such a long time/ … We had big fights, we lost our minds/ And I told Mum and Dad about it/ … And we sat down and we talked it all out.

Am ersten Album wird gearbeitet. Ich bin gespannt, welche Richtung die „Zehenspitzen“ einschlagen werden.

The Tiptoes live in der Postgarage | Fotos © Gerald Ganglbauer 2015

Saint Chameleon – Sail

Soundcloud
Graz 2015

Das erste Mal habe ich Saint Chameleon vor einem Jahr rein zufällig in der Papierfabrik in Graz gehört. Das war gerade der zweite oder dritte Auftritt der ganz jungen Band um Lukacz Custos und Luka Sulzer, deren Ursprünge bei einem Treffen der beiden in den Straßen von Graz im Jahr 2010 liegen, als Lukacz als Straßenkünstler auftrat. Beiderseitiges Interesse in jeder Art von Musik machte die Entscheidung in einem musikalischen Projekt zu kollaborieren einfach und so wurde Saint Chameleon eine Fusion aus Indie-Rock und Gypsy Musik, irgendwo zwischen Tom Waits und Django Reinhardt und überall drumherum.

Damals hat mich die Stimme von Luka gefesselt, dieses seltene Tremolo war prägnant, das erinnerte mich an David Surkamp, allerdings mit einer höheren Falsettstimme, in Pavlov’s Dog. Als ich später mit Luka redete, erklärte er dieses Zittern käme von anfänglichem Lampenfieber, das er mittlerweile aber kultiviert habe. Nun, ich muss sagen, mit seinen 22 Jahren (geb. 25.1. 1993) wirkt er auf der Bühne sehr selbstbewusst. Ich habe die Band in Graz noch drei Mal live gesehen, in der Postgarage, in der Brücke und im PPC. Diese jungen Leute begeistern ihre Zuhörer jedes Mal und lassen kein Bein still stehen. Das sind Tanz-Rhythmen, die unter die Haut gehen.

Saint Chameleons Luka Sulzer im p.p.c. | Foto © Claudia Parenzan

Saint Chameleon in der Postgarage | Fotos © Gerald Ganglbauer 2014

Von Live Gigs zu Studioaufnahmen ist es allerdings ein weiter Weg, den die Gruppe zunächst mit einer Debüt-EP markiert: SAIL, mit den drei Songs: “Johnny”, “The Difference of the People” und “Sail”.

Mein Lieblingslied zum Mitsingen:
The Difference of the People
(Musik und Text Luka Sulzer)

Some is silent in here
Some is loud out there
Some is tired
Some is filled with fear
Some is in action, runs away
The difference of the people
Is what makes this world this rich
The difference of the people
Is what makes it worth to live

And wouldn’t it be this way
We would all be the same
So we wouldn’t be able to love
Because we could know each others thoughts

Die “Sail” Release Show am 23. April im PPC hat deutlich gemacht, dass diese junge Band nicht nur eine EP, sondern ein erstes Album verdient hätte. Allein schon wie die sieben Musiker den Abend pünktlich um 22 Uhr mit einem kräftigen a-capella Chor eröffneten, löste im Publikum Begeisterung aus. Ich war richtig stolz auf die Jugend und wünschte, der Executive Producer eines großen Plattenlabels würde diese Show erlebt haben: Saint Chameleon hätte sofort einen Plattenvertrag in der Tasche. So gut waren sie allesamt, Musik im Blut, gut zusammen gespielt und Luka Sulzer strahlte Charisma auf der Bühne aus. Der schüchterne junge Absolvent der Ortweinschule, Abteilung Kunst wuchs innerhalb des Jahres, seit ich die Band in der Papierfabrik nach einem Geheimtip zum ersten Mal gesehen hatte, parallel zur Größe der Bühne zum echten Rockstar heran. Backstage frage ich ihn nach seinen Plänen und er weiss sich zu positionieren und kann sich ein Leben im Showbiz durchaus vorstellen. Dabei wünsche ich ihm und der großartigen Band, allen voran dem “großen” Francesco Doninelli an der Violine, alles Gute und viel Erfolg!


Videos © Clemens Niel 2014 and Gerald Ganglbauer 2015

Saint Chameleon in der Brücke | Fotos © Gerald Ganglbauer 2015

Bilder und Videos (2014/2015) von den jüngsten Konzerten der Band, die aus sieben Mitgliedern aus fünf Ländern besteht: David Dresler, Lukacz Custos, Luka Sulzer, Kajetan Kamenjasevic, Emilano Sampaio, Francesco Doninelli und Thilo Seevers.