Köhder – Köhder

Cooks Records
Graz 2021

Ich hörte die Band live im tube’s, dem kleinen Jazzclub, der die benachbarte ehemalige Generalmusikdirektion zu ersetzen versucht. Der Venue mag vielleicht irreführend sein, denn KÖHDER ist eine Grazer Indie Rockband. Seit ihrem hier vorliegenden selbst betitelten Debütalbum und als Warmup für „Bilderbuch“ nicht mehr gänzlich unbekannt, basteln die vier Mannen bereits an einem zweiten Album.

KÖHDER sind Valentin Aigner am Bass, Florian Köhler Gesang und Gitarrre, Raphael Meinhart am Schlagwerk und der vielseitige Bernhard Neumaier, Posaune und diverse Tasten. Damit wird mir klar, warum mir zwei der Gesichter so bekannt vorkamen. Des Sängers Brotberuf ist Schauspieler am Grazer Schauspielhaus, den Schlagzeuger kenne ich als virtuosen Marimba-Spieler aus der Postgarage.

25. März 2022

Eine Rockband also, die zur Hälfte prominent besetzt ist und deutschsprachige Lieder entbietet, die allesamt von Florian Köhler getextet und komponiert wurden. Nur ein Schauspieler kann sich so viel schrägen Text merken und mit geübter Stimme rezitieren. Der Zuhörer ist manchmal überfordert, denn leider findet man keine Lyrics zum Mitlesen.

Die Lieder sind ausgetüftelt von Bernhard Neumaier mit produziert, rhythmisch dank Raphael Meinharts präzisem Beat, der auch seine Marimba einspielt, und das Album Artwork ist von Valentin Aigner, womit jeder der Vier sein Schärflein zum KÖHDER Debüt beigetragen hat. Die vier auf der CD Hülle abgebildeten älteren Herren sind es jedenfalls nicht. Scherzkekse.

Eure Väter?!

Moritz Weiß – Vocal Klezmer Sounds

Preiser Records
Wien, 2021

Moritz Weiß, Georg Kroneis, Stefan Steinhauser, Maximilian Kreuzer und Momentum Vocal Music

Der Klarinettist Moritz Weiß gilt als der Inbegriff von steirischem „Klezmer“, den er mit seinem Trio in jiddischer Tradition, durchmischt von contemporären Experimenten sehr lebendig darbietet. Dieses Album fällt aus der Reihe, greift es doch auf die mittelalterliche Musik der Hildegard von Bingen zurück. Ein derartig multikulturelles Oratorium bekommt man selten zu hören, obwohl mir Musiker einfallen, auf die man durch unkonventionelle Kollaborationen aufmerksam wurde. Jan Garbarek sei erinnert mit Officium, einer Fusion von Jazz mit Gregorianischem Gesang. Ähnlich geheimnisvoll mutet diese 54:55 lange Komposition in drei Sätzen an, die vor allem durch die Stimmen von Momentum Vocal Music verzaubert.

Ursprünglich bezog sich der Begriff klezmer auf die Musiker. Erst seit der Wiederbelebung dieser Musik in den USA in den 1970er Jahren wird der Begriff zur Bezeichnung der musikalischen Stilrichtung verwandt. Bis dahin wurde diese Musik zumeist „jiddische“ Musik genannt. Unter Klezmer versteht man vorwiegend instrumentale Musik. Daher ist „Vocal Klezmer Sounds“ eine Ausnahme mit Seltenheitswert. Kein Lebender weiss, wie sich „Alte Musik“ anhörte, man kann sich nur aus Überlieferungen und den Instrumenten der Zeit eine vage Vorstellung davon machen. Dem künstlerischen Leiter Simon Erasimus scheint das gelungen zu sein.

Die Besetzung: Moritz Weiß – Klarinette, Komposition, Georg Kroneis – Viola da Gamba, Stefan Steinhauser – Gitarre, Maximilian Kreuzer – Kontrabass, Momentum Vocal Music – Stimmen.

Gerald Ganglbauer

The Base – Tribal Instincts

Konkord 113
Graz 2019

Das neue Album von The Base ist erschienen. Ich habs mir natürlich kritisch angehört, bin aber etwas befangen darüber zu schreiben. Ich habe nämlich zwei der Titel mit dem Trio schon Anfang des Jahres für meine Parkinsong Duets im Black Box Sound Studio eingespielt und nahm an, dass die Aufnahmen auch auf „Tribal Instincts“ kommen würden. Norbert Wally hat die beiden Duette dann doch neu arrangiert und allein gesungen und ich meine, nicht besser als zuvor. Aber das ist nur meine bescheidene Meinung, hört selbst.

Die zwei Versionen im Vergleich

Abgesehen davon liegt das neue Album im Trend und passgenau im Œuvre der Band. Getragen von minimalistischen Stücken, in denen Wally seine Stimme ausreizen kann, zwischendurch aufgewirbelt durch „Drescher“ mit schier endlosen Wiederholungen eines Mantras, deren großer Freund ich nie sein werde (obwohl sie gut tanzbar sind) ist es ein typisches The-Base-Produkt, das auch das eine oder andere déjà-vu vor Aug und Ohr ruft. Aber das macht nix. Die Fans werden es lieben und kaufen. Davon bin ich überzeugt.

Eine Band namens „Tribal Dialects“ gibt oder gab es übrigens bereits in Graz (rund um den großartigen Patrick Dunst), mit Stammestrieben oder Bauernschlauheit kann ich das neue Album trotz barfüssigen unrasierten Männern am schwarz-weissen Cover irgendwie nicht in Verbindung bringen.

Tribal Instincts Release Tour 2020

Die Band wird Anfang nächsten Jahres quer durch die Lande auf Album Release Tour gehen, auf der ich dem Trio den großen Erfolg wünsche, den sie bereits seit Jahren verdient hätten. Von Graz aus die Welt zu erobern, ist und bleibt eben ein schwieriges Unternehmen.

Offizielle Band Website – www.the-base.at

Thilo Seevers Ensemble – Storytelling

TUN Records
Graz 2018

Thilo-Seevers-Ensemble-Storytelling„Das Einzigartige an der Short Story ist, dass wir alle eine erzählen, leben, niederschreiben können“, schrieb Christina Stead, die australische Romanschriftstellerin. Nachzulesen in Michael Wildings Einführung zu Air Mail from Down Under, einem Band voller Kurzgeschichten, erschienen vor vielen Jahren in einer anderen Welt. Aber Geschichten lassen sich nicht nur am Lagerfeuer weiter erzählen. Zur litarischen Ausdrucksform gesellt sich beispielsweise Ausdruckstanz, den schon Urvölker wie die Aborigines praktiziert haben, bis zur Musik, wie jener des jungen deutschen Pianisten Thilo Seevers, der stolz auf eine Ausbildung an der Grazer Kunstuni zurückblicken darf.

Sein Ensemble, zu dem die großartigen Musiker Ivar Roban Krizic (Bass) und David Dresler (Schlagwerk) zählen, hat mit „Story Telling“, Anfang 2018 schon das zweite Jazz Album aufgenommen, wobei er mir persönlich bisher nur als Keyboarder bei Luka Sulzers Saint Chameleon bekannt war.

Ich hatte im Generalihof Gelegenheit, mich mit ihm zu unterhalten und zumindest ein halbes Konzert bis zum urplötzlich im zweiten Set einsetzenden Regenguss live zu erleben – und es bis unter die Haut zu genießen.

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Tse im Generalihof, in der Gamsbart Jazz Reihe | Foto © 2019 Gerald Ganglbauer

Die wertvollen Instrumente mussten schnell ins Trockene gebracht werden, und auch ich musste das Verdeck meines Cabrios rasch schliessen. Als Trost gab es für die zahlreichen Besucher CDs zu erwerben, die das Open Air Konzert digital vervollständigten.

Vielleicht höre ich ihn auch bei einem Saint Chameleon Auftritt, deren Debütalbum „Mockingbird“ (auch vom Vorjahr) mir bisher noch nicht unter die Finger gekommen ist. Dabei kenne ich die Band schon seit fünf Jahren und vielen Gigs. Auch gut. Ich werde allenfalls berichten.

Band Info: www.thiloseevers.com

Berndt Luef & Jazztett Forum Graz – Perseverance

Jazz-Forum-Graz---Perseverance

Die CD kam mit der Post und einem persönlichem Begleitschreiben „mit swingenden Grüßen“ wobei ich überzeugt bin, dass Berndt Luef kein Swinger ist. Zumindest nicht im Sinne von Menschen mit einem bestimmten promiskuitiven Sexualverhalten, sondern nur mit seinem Vibraphon und den acht Mannen seines Jazztett Forum Graz, das heuer bereits auf 25 swingende Jahre zurückblickt.

Diese Ausdauer würdigt der beharrliche Musiker mit einem Album, das auf sechs Seiten die zumeist vom Haus- und Hof-Jazz-Fotografen Peter Purgar fotografierten  Herren abbildet und zweisprachig die Entstehung der Kompositionen erläutert. Das ist bei Luef wichtig, da man ohne Lyrics die Absichten und den Hintergrund  der Kompositionen nicht mit Erinnerungen an seine Studienzeit oder Wanderungen entlang der Feistritztalbahn zu verknüpfen vermag.

Das Album wird am 3. Mai in der Blue Garage (Frauental) und am 12. Mai im Grazer Forum Stadtpark präsentiert.

High Brian – Brian Air

StoneFree Records
Graz 2019

Brian.AirPaul Berghold, der Drummer der Band, begrüßt mich backstage im p.p.c. wie einen alten Bekannten. Der Grazer ist nicht nur für das Schlagzeug zuständig, sondern auch für das Meet ’n‘ Greet aller Gäste der Album Release Show. Ganz im Stil einer Airline folgt die junge Band den Vorgaben ihres Konzeptalbums „Brian Air“, dem Nachfolger des Debüts vor zwei Jahren. Ich muss zugeben, dass ich High Brian bis dato nicht geortet hatte, freue mich aber, dass sich das nun wie im Flug geändert hat.

Paul hatte die Bandmitglieder – Benedikt Brands, Gitarrist, Sänger und Komponist aus Hamburg, Nils Meyer-Kahlen, Lead Gitarrist mit Heimatstadt Stockholm und Patrick Windischbauer, Bassist aus Linz,  jeder von ihnen ist Brian – während des Toningenieur-Studiums an der TU-Graz kennen gelernt. Sie spielten einige Jahre in einem Proberaum im Keller der Papierfabrik (wo mir auch schon Saint Chameleon, Downlovers und VIECH über den Weg gelaufen sind) dann machten die Vier, die sich den Beatles und Beethoven (Ludwig van, nicht Badhoven) verwandt fühlen, “Hi Brain” (2017) und klingen darauf wie Wolfmother, meine Landsleute aus Down Under. Ich habe dieses Album nicht gehört um den Vergleich bestätigen zu können.

Doch zurück zum Abflughafen: “Brian Air – not the safer, but the higher way to fly”, behauptet die Plattenfirma und ich will dem Zitat gerne glauben, in Bezug auf die jüngsten Flugzeugabstürze. Musikalisch etwas mehr “psychedelic Rock” (im Sinne des Sergeant-Pepper-Albums) wird auch behauptet, läßt sich aber schwer nachprüfen, da der Gesang im Live-Konzert kaum zu verstehen ist und den Tonträgern LP und CD in limitierter Auflage kein Booklet mit den Texten beiliegt.

Ich muss mir nach dem Live-Erleben erst noch die Studioversion ein paarmal anhören. Mich haben sie zeitweise an Wishbone Ash erinnert, aber das ist lange, sehr lange her. Nett fand ich zwischen den acht Songs die gelegentlichen Ansagen des Flugkapitäns und erwähnenswert auch das Set mit den Konturen eines Jets aus programmierten Lichtbändern.

Aber das Geilste wäre ein Rooftop Konzert. Nicht nur eines wie es viele Bands von den Beatles bis zu The Base schon gespielt haben, sondern als Brian Air Crew vor der Boeing 727 am Dach des Novapark Hotels.

Die Band legt übrigens Wert auf den Umstand, dass sie mit diesem Album kommerzielle Luftfahrt nicht unterstützt. Folglich müssten sie für eine USA Tournee in zwei Jahren auf der “HMS Brian” über den Atlantik. Schiff ahoi!

Matthias Forenbacher – Le Monde Diplomatique

pumpkin records
Wies 2018

Forenbacher_Le_MondeDie Welt Matthias Forenbachers ist dunkel, das Album schwarz/weiß, aber damit täuscht der hochgewachsene Kerl mit der atemlosen Stimme, die im Norden Amerikas mit den Bisons zuhause ist und an Bruce Springsteen erinnert. In seinen Lyrics ist viel Farbe. Italien, farbige Eiscreme, nackt badende Männer, zusehende Mädchen, Diplomaten … Er ist ein Storyteller der alten Schule.

Bei seiner CD Präsentation in der Kunsthalle Graz wurde er spontan von Freunden unterstützt: Stefan Kollmann am Akkordeon und Jacques Bush mit Gitarre, Percussion und seiner einzigartigen Stimme, sowie dem genialen Wortschmied Johannes Silberschneider. Das Publikum verzieh diplomatisch so manch verzerrten oder falschen Ton, denn life is live oder eben auch anders herum. Die zwölf Tunes auf dem Album sind ohnedies sehr ordentlich von Forenbacher und seinem Ausssenministerium produziert. (Un)diplomatisch gesagt: ein gut hörbares Album. Immerhin hat er uns seit „Life Vest“ (2009) beinahe zehn Jahre darauf warten lassen.

Hier noch ein paar Bilder von der CD Release am 30.11.2018 in der Kunsthalle Graz.

Stattegg-Ursprung, am 1. Dezember 2018

Candlelight Ficus – Parmigiano Love

KunstRäume Records
Graz 2018

sficusNormalerweise stünde immer ein Ficus – für die Nicht-Grünen eine Birkenfeige (Ficus benjamina) – auf der Bühne, aber die bislang verwendete Topfpflanze sei ihm eingegangen, erklärt  Niki Waltersdorfer das Fehlen des Band-Maskottchens. Wenn er allerdings um 8 Euro eine CD verkaufen würde, betont er, könne man sich bei IKEA eine neue Ficus holen. Indiebands müssen wohl unterschwellig Eigenwerbung betreiben. Aber das macht nichts, da es mich geradewegs zu dieser CD bringt, die übrigens eine Debüt-EP mit fünf Songs ist, was die 8 Euro ausreichend erklärt.

Ich hatte noch nie von dieser Band gehört, sie seien gerade am Beginn einer steilen Karriere, war aus dem Publikum zu erfahren. Live war das junge Outfit aus Graz in drei-Mann-Besetzung im Megaphon-Café zu hören. Interessant,  was in erster Linie der hohen Kopfstimme des Lead-Gitarristen zuzurechnen war aber auch den gut arrangierten Kompositionen, die allesamt aus der Feder von Niki Waltersdorfer kommen, einem schlacksigen jungen Mann, der gerade  seinen Zivildienst abgeschlossen hat.


Simon Brugner ist der Schlagzeuger,  Fridolin Krenn der souveräne Bass und Tobi Wohofsky der vierte Mann an weiteren Gitarren des Unternehmens. Gemeinsam produzieren die sangeslustigen Jungs ein Geflecht aus funkigem Wah-Wah mit dem Tremolo der Gitarre,  woraus ein fröhlicher Tune wie „Ho Mogo Ma“ entstehen kann. Es darf aber auch einmal mit „Connection“ ein langsamer English Waltz werden, der sich gut eignet, mit „Baby are you free tonight“ und weiteren Anleitungen einen Aufriss zu machen. Hat sich nichts geändert seit damals, nur aus den Briefmarken ist eine CD-Sammlung geworden. Die sollte „Parmigiano Love“ enthalten.

Stereoface – Jaws

Album Release

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, heisst es. Als ich Paul Pflegers neues Album Jaws auflegte, musste ich mich erst einmal vergewissern, dass ich die richtige Tonquelle gewählt hatte, so sehr überrascht war ich von der Musik seiner Band Stereoface. Was da aus den Lautsprechern kam, war feinster Rock, der aus den 70er/80er Jahren  hätte sein können. Nun ja, man muss wissen, Pauls Vater Ewald „Sunny“ Pfleger ist Gitarrist und Songschreiber bei OPUS. Ich habe beide einmal gemeinsam bei einem Benefizkonzert in der Grazer Oper auf der Bühne gesehen. Dass Paul die Plattensammlung seines Papas gehört und diese Songs sehr genau studiert haben muss, war, wie gesagt, eine Überraschung. Schließlich erwartet man vom Nachwuchs Hip-Hop, Techno oder sonst etwas elektronisches … eben alles, nur nicht Rockmusik mit „richtigen“ Instrumenten, wie sie noch von ihren Eltern gespielt wurden.

Mitbegründer Nino Kadletz, sowie Antonio Marghariti, Günther Paulitsch und Lukas Schneeberger sind die weiteren Bandmitglieder, die uns mit Jaws ein Album vorlegen, das zwar von der Musik der Altvorderen ausgeht, aber beim genauen Hineinhören sehr eigenständig mit den Instrumenten einer klassischen Gitarren-Rockband umgeht. Immerhin ist es das fünfte Album, das die Grazer Band in zehn Jahren produziert hat.

Graz rockt

Was in Baby Be My Valium unscharf an Black Sabbath erinnert, wird in You Bark I Bite und Superhuman Inhumanities ein bisschen zu Nirvana. Oder Oasis. Aber was soll’s, die Tunes auf Jaws sind doch einzigartig und You Ain’t Old Enough könnte sogar in die FM4 Charts passen.

Alle Titel auf dem Album werden von den durchgehend englischen Lyrics Paul Pflegers „gestimmt“ und entweder von einem groovigen Bass oder schnellen Drums getrieben, bis auf den etwas unruhigen Tune Sharks, der nicht Fisch nicht Fleisch zu sein scheint.

I Don’t Wanna Be Free hat einen Touch Metal, aber Sharksheep (I Don’t Wanna Know You Too) gönnt dem Album ein sanftes Ende. Alles in allem ist Jaws von 30+ bis 60+ durchaus  tanzbar, analog auf Vinyl zu haben, jedoch auch digital bestens geeignet, im Autoradio etwas lauter gehört zu werden.

The Base – Disco Bazaar

Album Release

Bazaar ist das persische Wort für Markt. Wie das deutsche Wort bezeichnet Basar sowohl die Zusammenführung von Angebot und Nachfrage als auch den Handelsplatz, der hinsichtlich seiner Gestaltung, Lokalisierung und Funktion spezifische Charakteristika hat. Wenn man in das neue Album von The Base hineinhört, muss man sich das vor Augen halten, obwohl die Lyrics sich nicht oder kaum darauf beziehen. Aber what the f . . .  ist ein versteckter VJ? (Hab mich schlau gemacht: ein Video Jockey)

Ein Kennzeichen orientalischer Basare ist die Aneinanderreihung von Geschäften, die Waren derselben Kategorie (in unserem Fall Disco) verkaufen. Das machen sie gut. Einen Großteil der Waren meint man schon einmal irgendwo gesehen (gehört) zu haben. In der Tat sind die Strickmuster, wie sich die einzigartige Stimme  von Norbert Wally einsetzen läßt, begrenzt. Nun, ich hatte mir nicht erwartet, lauter „neue“ Töne auf diesem Disco-Marktplatz zu bekommen. Schließlich ist es die bereits zwölfte Scheibe des 1996 debütierenden Grazer Trios. Man bietet an, was man daheim hat.

Mit etwas Feilschen erhält man aber tatsächlich auch hier neue Stückerln unter den  Plagiaten eigener Werke. Simoom ist so eine erfreuliche Ausnahme, ganz hinten am Regal zu finden. Norbert Wally rezitiert den Text, statt ihn zu singen, während Albrecht Klinger am Bass und Karlheinz Miklin jr. am Schlagwerk in gewohnt ausgereifter Musikalität die poetischen Worte vor sich her drängen. Groovy, Baby.

You Put Sugar in My Soul ist ein Mantra, wie man ihn auch schon von vorigen Alben kennt, die schier endlosen Wiederholungen versetzen den Hörer entweder in Trance, oder lassen ihn eine Palme hochklettern. Ähnlich geht es mir mit einem Dutzend I/You/We Connected. und den erhobenen Händen in Eight Cops. Dass dem Songwriter kein weiterer Text eingefallen sei, oder er nur den Song verlängern wolle, will ich damit nicht unterstellen. Ich habe schon bei der Release von Where Is my Weather (2015) auf diesen Ballast hingewiesen, offenbar erfolglos. Tja, man muss auch noch so konstruktiver Kritik nicht gleich Folge leisten.

Pile Your Shishas  ist ein angenehmes Lullaby. Die orientalische Wasserpfeife stellt endlich auch einen Kontext zum Basar her. The Base sollte einen Wettbewerb machen, welche Originalvorlagen die Disco Bazaar Tunes evoziieren, Menschen, die die Band noch nie gehört haben, werden Ride After Dawn mögen, Fans (dazu zähle ich mich) werden ein Déjà-vu erleben. Just Another Sky ist ein typischer Waltz, ganz in der Tradition der Gruppe, mit leisen Ethno-Einflüssen.  Aber egal ob recycled oder neu, die Musik von der Basis ist immer gut tanzbar, und die Refreins bleiben tagelang im Kopf stecken, wie im Opener Feed Your Dinobaby. Am Ende weiß man nicht mehr, ob man einen neuen oder alten Tune hört, den der Shuffler aus den zwölf Alben von The Base gerade spielt. Sie sind einfach alle gut.

Bei ihren Dreikönigskonzerten im Scherbenkeller werden wieder zahlreiche Groupies die Lyrics mitsingen. Bleibt zu hoffen, dass niemand dabei sein Happy verliert.

Präsentiert wird das Album in Graz am 30. September 2017 im p.p.c. Vorverkaufskarten sind bereits online.

Band Website – www.the-base.at