Paul Plut – Lieder vom Tanzen und Sterben

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Im Vorfeld hatte es beinahe den Anschein, dass ich zu alt werde, um über Livekonzerte zu berichten. Auch Paul, den ich seit seinen frühen Schreien mit VIECH in der Papierfabrik kenne und schätze, schien vor dem Konzert reserviert. Er hatte meine Nachricht nicht gelesen, dass ich ihn treffen wollte, daher war ich für den Konzertbeginn viel zu früh dort. Zu allem Überdruss oder vielleicht in Wechselwirkung mit der körperlichen Anstrengung, die eine abendliche Fahrt ohne Begleitung in die Stadt samt nächtlicher Heimreise zum Ursprung erzeugte, war ich gerade kraftlos im OFF. Scheiss Parkinson.

Aber Kraft brauchte es nicht, um mit allen Sinnen den zarten Passagen von Paul Pluts „Liedern vom Tanzen und Sterben“ zu folgen. In den Aussparungen zwischen den rauh geflüsterten Worten und manch schrägen Tönen des Verzerrers seiner Gitarre hat er „in Teifi gsehn im Tram“ und reflektiert suizide Gedanken. Darüber hätte ich ihm noch gerne ein paar Fragen gestellt. „Wir san nur Fleisch/ Wir san sunst nix/ Oba damit nit aloa“ singt er an anderer Stelle und meint, dann nur in die Hände klatschen zu müssen um Obersteirisch zu statuieren: „Wir hobn koa Ongst“.

Obwohl manchmal Erinnerungen an Neil Young in „Dead Man“ (1995) evoziiert werden, ist das nicht die (Film-)musik eines Untoten, sondern die eines jungen Mannes, der keine Angst mehr vor dem Teufel hat. Bei Texten wie „Heiliger Vota, valoss mi jetz nit“ sich aufdrängenden „Gretchenfragen“ wie: „Bist du gläubig?“ nimmt er die Antwort schon in der Überleitung mit einem „Nein!“ vorweg. Und nach dem Konzert ist er wieder ganz das freundliche „Landei“ wie er sich sellbst bezeichnet, steht hinter der Merch(andise) und signiert eifrig CDs und (jetzt neu) auch Schallplatten.

Obwohl die „Lieder vom Tanzen und Sterben“ für mich eine Neuerscheinung sind, war Paul Plut in verschiedenen Besetzungen mit dem Programm schon seit 2016 zwischen Südtirol und Norddeutschland unterwegs. Der deutsche Sprachraum ist eben nicht größer. Dabei würde ich gern ein zweisprachiges Duett mit ihm aufnehmen. Schließlich ist er mit „VIECH“ schon auf all meinen Buchtrailers. Als CD ist das Album übrigens schon 2017 erschienen, als LP  gerade erst bei dem jungen Hamburger Label Chateau aero.

Zum Abschluss eine Hör- und Sehprobe vom Konzert: Ein Ausschnitt aus „Grat“. Kudos an Torsten Schmid für die sensible Lightshow.

Alles weitere: paulplut.com

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